In einer wie immer rappelvollen Pfleghofhalle lässt eine frühe Disqualifikation gegen SKV-Topscorer Lorenz Kenner die Gäste erstmal schlucken. In der 39. Spielminute befindet sich das Spiel auf Messers Schneide bis die „Spitzmäuse“ schließlich einen Gang hochschalten und innerhalb von 15 Minuten einen 2:9 Lauf hinlegen. Neben dem zum MVP gewählten Schlussmann Marvin Heinz ragen die Rückraumspieler Florian Brändle und Jonas Reinold mit 7 bzw. 4 Treffern heraus. Nach dem ersten SKV-Auftritt im Jahr 2014 im Langenauer Pfleghof mussten die „Spitzmäuse“ nunmehr 12 Jahre auf den ersten doppelten Punktgewinn warten.
Atmosphäre wie gewohnt hitzig
Bereits mit der ersten Ballberührung trafen die Mannen von Michael Schwöbel auf Pfiffe in der fanatischen Heimspielstätte der HSG Langenau-Elchingen. Auch der bessere Start der Gastgeber durch den treffsicheren Linksaußen Louis Heinrich und Dauerbrenner Felix Junginger zum 2:0 brachte die „Spitzmäuse“ zunächst nicht aus der Ruhe (4.). Über drei Treffer in Folge durch Maximilian Fuhrmann und Dominik Werbitzky vom Strich und ins leere Gehäuse zum 2:3, sowie Kapitän Mike Pracht und einem Doppelschlag durch den von Beginn an starken Florian Brändle sorgen die Gäste mit der 3:6-Führung für ein erstes Verstummen des Publikums (11.). Währenddessen hatte Heinz Heinrich bereits den ersten Strafwurf abgekauft.
Lorenz Kenner sieht früh rot
Nachdem er in Sandro Münch bereits seit Wochen auf einen seiner Führungsspieler im Rückraum verzichten muss, atmete Schwöbel einmal tief durch, als er nach 18 Minuten auch noch den erfolgreichsten Liga-Torschützen der „Spitzmäuse“, Lorenz Kenner, durch eine rote Karte verlor. Nach einem Ballverlust begleitete der 21-Jährige HSG-Akteur Luca Bosch im Rückzug und brachte diesen in Hochgeschwindigkeit zu Fall. Aus Sicht des SKV-Taktgebers hätten es hier auch zwei Minuten getan. Trotz des frühen Schocks vertrauten die Gäste ihrem starken Kollektiv – der wieder einmal exzellent aufgelegte Torsteher Heinz verhinderte mit einem erneuten parierten 7-Meter-Strafwurf gegen Donat Ruess den Ausgleich der Hausherren. In der Offensive übernahm nun Silvan Kenner für Lukas Volz, zeichnete sich gleich mit einem Treffer aus. Um Lukas Brunngräbers Worte zu zitieren: „Die rote Karte gegen Lorenz Kenner rollte Kanonier Jonas Reinold den roten Teppich aus“. Der Rückraum-Rechte brachte sich direkt nach seiner Einwechslung mit zwei erfolgreichen Distanzwürfen ein, was das Interims-Trainergespann der HSG beim Spielstand von 11:13 zu einer Auszeit veranlasste (24.). Angetrieben vom starken Brändle bauten die „Spitzmäuse“ ihren Vorsprung zeitweise auf drei Treffer aus. Das Handicap von vier Minuten Unterzahl, verursacht durch die Zeitstrafen gegen Fuhrmann und Nico Hiller, ließ die Gäste vorerst allerdings nicht weiter davon ziehen. Reinolds Treffer folgte schließlich der Halbzeitstand zum 15:17, hergestellt durch Rechtsaußen Christoph Spiß.
„Spitzmäuse“ verhindern den Turnaround
Reinold und Brändle hielten den Abstand in Durchgang zwei mit ihren Treffern zunächst konstant, Junginger brachte die Meute mit seinen beiden Treffern zum 19:19-Ausgleich dann aber zum Toben (39.). Eine Situation, die schon einige Mannschaften im Pfleghof einbrechen ließ, wendeten die „Spitzmäuse“ ganz cool ab. Sekunden später folgte der elegante Leger vom zuvor eingelaufenen Kapitän Mike Pracht über den sinkenden HSG-Torhüter Jan Schönefeldt. Nachdem der an diesem Abend ebenso in der Verteidigung überzeugende Reinold das Parkett nach einem Gesichtstreffer für 120 Sekunden verlassen musste, scheiterten die Hausherren erneut frei an Heinz und Lukas Volz erhöhte mit einem Unterarm-Schlagwurf auf 19:21 (41.) Zwei weitere „Spitzmaus“-Treffer durch die Flügelzange Pracht-Werbitzky zum 20:23 zwang das Trainerteam der HSG zur zweiten einminütigen Besprechung (47.). Dass die Gastgeber nun abreisen lassen mussten, lag vor allem an ihrer hohen Fehlerquote im Angriff. In Summe zwangen die „Spitzmäuse“ die Hausherren mit ihrer offensiven Verteidigung zu 24 technischen Fehler. Auch die Maßnahme Keeper Schönefeldt für einen zusätzlichen Feldspieler zu „opfern“, missglückte: Jeweils nach Ballgewinnen trafen Thimo Böck und Pracht ins leere HSG-Tor. Nach einer weiteren Langenauer-Auszeit sorgte Werbitzky mit seinem fünften verwandelten Strafwurf, einer souveräner als der andere, für den 21:28 Zwischenstand (54.). Schwöbels Team war aber immer noch nicht satt – Fuhrmann nach traumhaftem Anspiel von Volz, zweimal Böck, der fortan von Rückraum-Rechts agierte, sowie Brändle sorgten für die souveräne 24:33-Führung. HSG-Regisseur Marco Mannes war schließlich der letzte Treffer der Partie vergönnt.
Einnahmen aus einer vollen Pfleghofhalle scheinen nicht genug
Eine wilde Szene veranstaltete sich Minuten vor der Halbzeitpause. Dem aufmerksamen Spielaufseher der HSG war nicht entgangen, dass der verletzte SKV-Keeper Samuel Klotz sowie ein weiterer Offizieller des SKVs keine Eintrittsbändchen trugen. Fortan forderte er die beiden auf, darunter Klotz auf Gehhilfen, die Halle zu verlassen. Auch Lorenz Kenners blankes Handgelenk, der ab der 20. Minute nach Disqualifikation im Publikum saß, fiel bei besagtem Herrn auf Unverständnis. Freundlicherweise deeskalierte ein couragierter SKV-Anhänger die Situation mit einer Banknote. Dem Ordner ist hier kein Vorwurf zu machen, in wirtschaftlich unklaren Zeiten darf keine Möglichkeit der Ertragsgenerierung ungenutzt bleiben.
Tabellenführung weiter ausgebaut
Mit dem vierten Sieg in Folge bauen die „Spitzmäuse“ ihren Vorsprung auf Tabellenplatz zwei bei nunmehr sieben verbleibenden Spielen auf neun Punkte aus. Während der direkte Verfolger Spieltag für Spieltag wechselt, zeigen sich die Mannen von Trainer Schwöbel sehr konstant. Die Mannschaft der vergangenen Wochen, die SG Schozach-Bottwartal, verliert bei Abstiegskandidat Plankstadt mit 33:29, tauscht seinen Platz im Gesamtklassement mit dem TSV Wolfschlugen, der sein Heimspiel gegen den TSV Bönnigheim mit 30:26 gewinnt. Die Mannschaften aus Bietigheim und Flein, die sich 29:29 trennen, sind in 2026 beide weiterhin sieglos. Für die „Spitzmäuse“ geht es am kommenden Samstag weiter mit dem Heimspiel gegen die Reserve von Saase3 Leutershausen. Die Mannschaft bedankt sich bei ihrer treuen Anhängerschaft, die wieder zahlreich im Pfleghof vertreten war.
HSG Langenau-Elchingen – SKV Unterensingen 25:33 (15:17)
HSG Langenau-Elchingen: Schönefeldt, Ruhland; Junginger (6), Ruess, Mannes (2), Glück (2), Schaden (2), C. Spiß (4), S. Spiß (1), Renner, Rembold, Lik, Heinrich (7/3), Bosch, Weller (1).
SKV Unterensingen: Deuschle (n.e.), Heinz (11/2 Paraden); Brunngräber, Pracht (4), Werbitzky (7/5), Volz (2), L. Kenner, Reinold (4), S. Kenner (2), Böck (3), Fuhrmann (4), Mangold, Hiller, Brändle (7).
Siebenmeter: 3/5 – 5/5 (Heinrich scheitert an Heinz, Ruess verwirft gegen Heinz – Werbitzky trifft alle fünf)
Zeitstrafen: 8 – 6 (Mannes, Glück, S. Spiß, Heinrich – Reinold, Fuhrmann, Hiller)
Disqualifikation: L. Kenner (18., grobes Foulspiel)
Spielverlauf: 2:0, 3:6, 9:11, 15:17 – 19:19, 20:23, 21:28, 25:33.
Schiedsrichter: Eduard Huber, Beck Smakaj
Zuschauer: 600
Beste Spieler: Junginger, Heinrich – Heinz, Reinold, Brändle.

