Teuer erkaufter Punkt

SKV Unterensingen – Saase3 Leutershausen Handball 2 32:32 (18:17)

Gewonnener Punkt, nachdenkliche Stimmung
In einer hart umkämpften Partie sichern sich die „Spitzmäuse“ nach spätem Rückstand einen Punkt. Die Mannschaft von Trainer Michael Schwöbel hat sogar noch den Sieg auf der Hand, Florian Brändles letzter Wurf wird aber vom Torhüter der S3L an den Pfosten gelenkt. Tragischerweise scheidet Linkshänder Lorenz Kenner frühzeitig mit einer Knieverletzung aus. Trotz des ersten Punktverlustes nach vier Siegen in Folge spricht Kapitän Mike Pracht von einem Erfolgserlebnis: „Als Saase3 Leutershausen zehn Minuten vor Ende sogar mit vier Treffern in Führung gehen kann, legen wir eine starke Moral an den Tag, lassen uns an einem Tag, an dem bei Weitem nicht alles perfekt läuft, nicht abschütteln. Gegen einen starken Gegner, der weiterhin alle Karten im Rennen um Platz zwei in der Hand hält, erkämpfen wir uns letztendlich einen sehr wichtigen Punkt“.
„Spitzmäuse“ starten furios – Lorenz Kenner verletzt sich schwer
Auch wenn die Gäste nur wenige Anhänger mitgebracht hatten, konnte sich die Atmosphäre in der Bettwiesenhalle sehen lassen. Die gut 250 Zuschauer beobachteten einen SKV, der trotz des 0:1-Rückstands erzielt von S3L-Linkshänder Jan Knaus schnell durch Florian Brändle, Lorenz Kenner, Dominik Werbitzky und Mike Pracht per Gegenstoß mit 4:1 in Führung ging (6.). Es dauerte allerdings keine zwei Minuten bis die Mannschaft von Timo Baumann durch zwei weitere Knaus-Treffer und einen von Moritz Ullrich wieder auf Pari stellen konnte. In der neunten Spielminute wurde die Partie von der vermutlich schweren Verletzung Lorenz Kenners überschattet. Der 21-Jährige kam nach einer Körpertäuschung unglücklich auf, wobei sein Knie an Stabilität einbüßte. Nachdem der Torjäger nach minutenlanger Behandlung von Physiotherapeutin Emelie Madl und Florian Brändle beim Hinausgehen gestützt wurde, war bereits nichts Gutes zu erahnen. In Person von Nico Hiller und dem eingewechselten Jonas Reinold konnten seine Kollegen zunächst nachlegen und erneut mit 7:5 in Führung gehen (12.). Die Verletzung schien bei den Hausherren allerdings ihre Nachwirkungen zu entfachen, Saase3 Leutershausen nutzte die Gunst der Stunde und versetzte sich mit dem 8:10 durch Tobias Büttel zum ersten Mal mit zwei Treffern ins Vordertreffen (17.). Torhüter Tobias Deuschle, der im Hinspiel mit 16 Paraden überzeugte und deshalb von Schwöbel den Vorzug gegenüber Routinier Marvin Heinz erhielt, drückte dem Spiel nun vermehrt seinen Stempel auf. Hiller und Brändle sorgten für den Ausgleich und Allrounder Thimo Böck brachte die „Spitzmäuse“ mit dem 14:13 wieder in Front (25.). Böcks weiterem Treffer zum 18:16 folgte der finale Anschluss in Durchgang eins per erfolgreich abgeschlossenem Strafwurf durch Rechtsaußen Simon Spilger.
S3L lässt sich nicht abschütteln
Pracht gelang von Rechtsaußen kurz nach Wiederanpfiff einer der letzten Führungstreffer an diesem Abend. Ex-Bundesligaspieler Jonathan Scholz mit seinem zweiten Treffer in Durchgang zwei und der dynamische Büttel mit einem Doppelschlag sorgten rasch für die 19:21-Führung der Gäste (34.). Die SKV-Defensive fand am Sonnabend nicht den gewohnten Zugriff. Schwöbel war inzwischen zu einer defensiveren 6:0-Variante gewechselt, was auch den Hintergrund der fehlenden Alternativen auf den Halbverteidigungspositionen hatte. Böck, der durch Lorenz Kenners Ausfall zudem vermehrt Verantwortung auf der Position im rechten Rückraum übernahm, gelang mit dem dritten Treffer in Folge von Linksaußen zum 25:24 nach langer Zeit wieder ein Führungstreffer für die „Spitzmäuse“. Zuvor hatte sich Hiller nach einem SKV-Fehlabspiel engagiert zu Boden geworfen und das Spielgerät spektakulär zu Böck geschlagen. Die Gäste ließen sich dadurch nicht verunsichern, spielten konsequent nach ihrem Matchplan. Auch eine zwischenzeitliches Timeout von Schwöbel konnte nicht verhindern, dass S3L durch Spilger, Büttel und Ullrich mit 27:30 ins Vordertreffen geriet (48.). Die Spielvereinigung aus Leutershausen und Großsachsen hatte gar zweimal die Möglichkeit auf vier Treffer Unterschied zu stellen, scheiterte allerdings am mittlerweile in die Partie gekommenen Schlussmann Heinz.
Starke Moral in der Endphase
„Ich muss meiner Mannschaft heute ein großes Kompliment aussprechen. Mit dem Ausfall von Lorenz Kenner fehlt nicht nur im Angriff eine wichtige Stütze, sondern bricht in unserem Abwehrsystem ein elementarer Eckpfeiler weg. Nachdem Sandro Münch seit Wochen fehlt und auch Mike Pracht noch nicht bei 100 Prozent ist, gehen uns in der Verteidigung die Alternativen aus. Nach diesem Spielverlauf sehe ich das Remis als sehr positiv an und gehe rein aufs Spielergebnis bezogen zufrieden aus der Partie.“, gibt Chef-Trainer Schwöbel sein Statement zum Spiel ab.
Im Zusammenspiel mit Brändle und Silvan Kenner im Innenblock wurde Heinz nun zum Faktor. Angetrieben von einem euphorischen Publikum konnte Pracht zunächst mit zwei Positionswürfen verkürzen, sowie mit seinem dritten Treffer in Folge per Gegenstoß zum 30:30 ausgleichen (53.). Dem aufopferungsvoll kämpfenden Brändle gelang mit dem 32:31 kurz vor Ende nach langer Zeit wieder ein Führungstreffer für den SKV. Danach brachte die Defensive der „Spitzmäuse“ die S3L vermehrt an den Rande eines Ballverlustes, Tobias Büttel war es dann aber, der bei passivem Spiel und Uhrenstand von 58:20 zum 32:32 ausgleichen konnte. Dass die „Spitzmäuse“ für beinahe eineinhalb Minuten den letzten Ball hielten, war mehreren Umständen geschuldet. Nachdem der ohnehin schon lange Angriff mit einem eigentlich erfolgreichen Durchbruch von Silvan Kenner endete, dieser aber am starken Torhüter Dario Bennefeld scheiterte, warf sich Werbitzky mit all seinen Sachen auf den Ball und eroberte diesen zurück. 30 Sekunden vor Ende zückte Schwöbel seine letzte grüne Karte, nahm damit kurzzeitig etwas Druck aus dem Kessel. Nachdem die beiden Unparteiischen circa zehn Sekunden später den Arm im Sinne des passiven Spiels hoben, verzögerten die „Spitzmäuse“ den Angriff mit zwei weiteren bewusst erzwungenen Freiwürfen, um schließlich zeitlich perfekt durch Brändle zum letzten Abschluss zu kommen. Aus dem zweiten Stock warf der 31-Jährige schließlich den Ball über den massiven Innenblock der Gäste, um im allerletzten Moment von Torhüter Bennefeld an den Innenpfosten gelenkt zu werden. Spieler und Funktionäre der S3L feierten den Punktgewinn im Freudentaumel. Der SKV hält mit dem Remis seine Festung aufrecht, ist in der Bettwiesenhalle weiterhin seit dem ersten Heimspiel, in dem man der SG Lauterstein deutlich unterlag, ungeschlagen.
Eine verrückte Liga setzt ihren Lauf fort
Schon vor dem Nervenkitzel in der Bettwiesenhalle hatte Lokalrivale TSV Wolfschlugen den zweiten Tabellenplatz mit einem 23:38-Auswärtserfolg in der Fleiner Sandberghalle eindrucksvoll untermauert. Die Mannschaft von Steffen Klett beendete damit vorerst die unerklärliche Schwächephase auf fremdem Terrain. Während der hessische Vertreter Viernheim eine überraschende Heimniederlage gegen die TSG Söflingen einstecken muss (32:35), hat die SG Schozach-Bottwartal mit einem 26:22-Erfolg gegen die SG Hegensberg-Liebersbronn Relegationsplatz zwei mit einem Punkt Rückstand weiterhin fest im Visier. Bereits am kommenden Samstag folgt für die „Spitzmäuse“ das nächste Heimspiel, wenn der nordbadische Vertreter TV Hardheim seine Visitenkarte in Unterensingen abgibt.
SKV Unterensingen – Saase3 Leutershausen Handball 2 32:32 (18:17)
SKV Unterensingen: Deuschle (6 Paraden), Heinz (6 P.); Brunngräber, Pracht (6), Werbitzky (7/2), Volz (1), L. Kenner (1), Reinold (3), S. Kenner, Böck (3), Fuhrmann, Mangold (1), Hiller (4), Brändle (6).
Saase3 Leutershausen Handball 2: Schlafmann (1), Bennefeld, Fuhrer; Lachnitt, Anschütz, Heckmann, Ullrich (4), J. Knaus (9), Spilger (5/3), Burkard (2), L. Knaus, Scholz (5), Grössl, Büttel (6).
Siebenmeter: 2/2 – 3/3 (Werbitzky trifft zweimal – Spilger trifft dreimal)
Zeitstrafen: 2 – 6 (Werbitzky – Knaus (2), Büttel)
Spielverlauf: 4:1, 7:8, 14:13, 18:17 – 21:23, 26:25, 27:30, 32:32
Schiedsrichter: Kain Sauer, Thomas Ströh
Zuschauer: 250
Beste Spieler: Werbitzky, Hiller, Brändle – Bennefeld, J. Knaus, Büttel.