Noch ein Punkt – Es liegen vier Matchbälle bereit

TSV Amicitia 06/09 Viernheim – SKV Unterensingen 30:35 (16:17)

Die „Spitzmäuse“ erarbeiten sich mit einem letztendlich souveränen 30:35-Auswärtssieg in Viernheim die komfortable Situation die Meisterschaft am 11. April, kurz nach Ostern, im eigenen Wohnzimmer klar zu machen. In einer lange ausgeglichenen Partie ziehen die Gäste nach gut 45 Minuten davon, lassen den engagierten „Bulls“ keine Chance mehr auf den Sieg. Neben Kapitän Mike Pracht, der mit elf Treffern zum erfolgreichsten Schützen der Partie avanciert, überzeugt Silvan Kenner mit einer souveränen Spielsteuerung und sieben eigenen Treffern. „Wir haben in den vergangenen Wochen sämtlichen Widrigkeiten getrotzt, uns nicht von Verletzungen unterkriegen lassen. In dieser Mannschaft ist sich keiner zu schade für seinen Nebenmann einzustehen.“, fasst Co-Trainer Oliver Hihn die letzten Arbeitstage der „Spitzmäuse“ zusammen.

„Hexabanner“ machen keine verfrühten Ostergeschenke

Nach gut zweieinhalb Stunden Bustransfer durch das Partnerunternehmen Schäfer traten die Spieler von Michael Schwöbel in der südhessischen Rudolf-Harbig-Sporthalle an. Bereits um 18.00 Uhr wurde die Partie des TSV Wolfschlugen in Bietigheim angepfiffen. Mit dem souveränen 31:36-Sieg der „Hexabanner“ war in Viernheim kurz vor Spielbeginn unabhängig vom späteren Ausgang klar, dass die „Spitzmäuse“ ihre vermeintliche Jubelekstase auf die Wochen nach Ostern verschieben müssten. Der schärfste Konkurrent des SKVs setzt alles daran Platz zwei zu sichern und befindet sich seit Wochen in einer guten Verfassung.

Tatkräftige Präsenz der Unterensinger Anhänger

Neben Linkshänder Lorenz Kenner musste Schwöbel zusätzlich auf Rechtsaußen Lukas Brunngräber verzichten. Der 27-Jährige erlitt unter der Woche einen Arbeitsunfall, bei dem er sich eine Schnittwunde an der Hand zuzog. Mit der beinahe selben Anfangsformation wie in der Vorwoche gegen Hardheim starteten die „Spitzmäuse“ vor gut 250 Zuschauern in die Partie. Neben dem bis auf den letzten Platz besetzten SKV-Bus hatten erfreulicherweise weitere Unterensinger Anhänger den langen Weg ins Hessische privat auf sich genommen. Sandro Münch nahm die Abwehrposition von Lorenz Kenner ein, wechselte im Angriff mit dem seit Wochen gut aufgelegten Kreisläufer Nico Hiller. Nach Florian Brändles Treffer zum 0:1 und der dazwischen liegenden Parade von Marvin Heinz gegen den Rechtsaußen der Viernheimer, Kevin Welte, war es Hiller, der nach Volz‘ Zuspiel einen Strafwurf initiierte, den Pracht souverän zum 0:2 für die „Spitzmäuse“ verwandelte (3.). Wie bereits im Hinspiel hatten die Hausherren zunächst  Schwierigkeiten sich an die offensive Verteidigung der „Spitzmäuse“ zu gewöhnen. Eine erneute Parade von Schlussmann Heinz und der anschließende Gegenstoßtreffer von Pracht leitete die 1:3-Führung der Gäste ein (6.). Nachdem sich Marcel Deege bei einem Foul von Dominik Werbitzky weh getan hatte und dieser darauf für zwei Minuten die Strafbank drücken musste, schien ein Weckruf durch die Reihen der „Bulls“ gegangen zu sein. Drei Treffer in Folge, darunter zwei ins leere Tor der „Spitzmäuse“ bedeuteten die erstmalige 5:4-Führung für die Hausherren (11.). Hillers zwischenzeitlicher Ausgleichstreffer blieb nicht lange bestehen, nachdem Johannes Kadel postwendend von Linksaußen traf und der starke Jacob Clarius auf 7:5 erhöhte (14.). Der SKV leistete sich im Angriff zu viele Fehlwürfe und bekam in der Verteidigung keinen Zugriff mehr auf die starken Einseins-Spieler der Viernheimer. Sven Walther hatte gar die Chance per Strafwurf auf drei Treffer Unterschied zu erhöhen, scheiterte aber an Heinz. Schwöbel rief seine Mannen daraufhin erstmals zur Besprechung (15.).

Münch und Silvan Kenner übernehmen

Der Taktgeber der Spitzmäuse warf daraufhin erstmals wieder seit Wochen Sandro Münch ins offensive Spielgeschehen – nicht auf seiner angestammten Spielmacher-Position, sondern im linken Rückraum. Neben ihm sollte Silvan Kenner das Spiel dirigieren. Der Schachzug schien Früchte zu tragen. Es dauerte keine zwei Minuten, bis Münch sich in die Torschützenliste eintrug und der ebenso eingewechselte Maximilian Fuhrmann den Ausgleichstreffer zum 8:8 erzielte (18.). Die „Bulls“ bereiteten den Gästen zwar weiterhin Probleme mit ihrem unermüdlichen Tempohandball, im Angriff der „Spitzmäuse“ spielte sich jedoch nun ein seltenes Spektakel ab. Silvan Kenner, seit dieser Saison erstmals einigermaßen beschwerdefrei, tischte den Zuschauern folgend einige Delikatessen auf. Zunächst ließ er seinen direkten Gegenspieler kontaktlos stehen, feuerte zudem zwei Sprungwürfe aus dem Rückraum sowie final einen weiteren Gewaltwurf aus dem Stand ab. Vier Kenner-Treffer innerhalb von dreieinhalb Minuten gab es im SKV-Trikot für den früheren Deizisauer wohl nicht nur noch nie, vor allem aber hielt er seine Farben damit im Spiel und ebnete den folgenden 0:4-Lauf der „Spitzmäuse“. Kenners Ausgleichstreffer zum 12:12 folgten ein erfolgreich verwandelter Gegenstoß von Pracht nach langem Anspiel von Heinz sowie zwei sehenswerte Treffer von Kreisläufer Hiller zum 12:15 nachdem Münch und Pracht ihn in Szene gesetzt hatten (26.). Angetrieben vom stimmungsvollen Publikum gelang dem treffsicheren Linksaußen Kadel mit drei Erfolgserlebnissen in Folge zwar vorerst der Ausgleich, Pracht setzte mit dem 16:17 Sekunden vor Halbzeitsirene aber den Schlusspunkt für Durchgang eins.

SKV-Flügelzange kaum zu stoppen

Kevin Weltes erneuter Ausgleichstreffer kurz nach der Pause zum 17:17 sollte der letzte Spielstand auf Pari gewesen sein. SKV-Trainer Schwöbel entschied sich nach dem Seitenwechsel dazu Fuhrmann als vierten Rückraumspieler einzuwechseln. Dieser war sofort von Rückraum-Rechts erfolgreich und Werbitzky reagierte hinten aufmerksam, setzte Pracht nach gelungenem Steal zum 17:19 in Szene (33.). Auf Vierheimer Seite tat sich in den nächsten Minuten vor allem einer hervor: Jacob Clarius. Der wuchtige Rückraum-Linke sorgte mit seinen vier Treffern dafür, dass die „Bulls“ bis zum 22:23 nicht abreißen lassen mussten (41.). Direkt nach dem Gegentor schaltete Münch schnell zum Gegenzug und war von Walther nur auf Kosten einer Zeitstrafe zu stoppen. Die vorausgehende Überzahlsituation schien für die „Spitzmäuse“ ein Knackpunkt gewesen zu sein. Zunächst traf Lukas Volz frei vom Kreis, Silvan Kenner bediente Kapitän Pracht auf Rechtsaußen und Volz sorgte mit seinem Treffer ins leere Viernheimer Gehäuse zum 22:26 dafür, dass die Halle erstmal verstummte (44.). „Bulls“-Trainer Erkan Öz versuchte den SKV-Lauf mit einer Auszeit wieder zu unterbinden. Seine Mannen verkürzten durch Walther vom Strich und Jonas Böckly vom Kreis zwischenzeitlich auf 25:27 (47.).

Fulminante Schlussphase – Abwehr-Umstellung bringt die Entscheidung

„Dass Unterensingen seine Abwehr auf die defensivere 6:0-Variante umstellte, schien uns auf den ersten Blick entgegenzukommen und wir hatten das Gefühl sie nun knacken zu können“, gab Öz nach der Partie im Trainer-Interview einen Einblick in sein Seelenleben. Überraschenderweise geschah genau das Gegenteil – die SKV-Defensive schien für die Gastgeber phasenweise unüberwindbar. Mal stand der Block im Weg, mal zwang die Hintermannschaft der „Spitzmäuse“ die Hausherren zu Fehlabspielen. Setzten sich die „Bulls“ gegen all diese Widrigkeiten durch, stand letztendlich noch Schlussmann Heinz im Weg. Mit einem 0:5-Lauf innerhalb von nicht einmal vier Minuten zum 25:32 sorgten die Gäste für eine kleine Vorentscheidung (51.). Dem überragenden Rechtsaußen Pracht gelang sogar der Ausbau der Führung auf 27:34 (56.). Nachdem die Gastgeber noch etwas rannahmen und gar auf vier Treffer Abstand verkürzen hätten können, scheiterte Walther vom Siebenmeter-Strich am Querbalken. Silvan Kenner krönte seine starke Leistung mit dem siebten Treffer, einem technisch anspruchsvollen Schlagwurf zum 29:35. Der ebenfalls starke Viernheimer Mittelspieler Steven Beck setzte schließlich den Schlusspunkt.

Geschichte schreiben 2.0

Für den Samstag nach Ostern ist alles angerichtet. Den „Spitzmäuse“ reicht im Heimspiel gegen die SG Schozach-Bottwartal ein einziger Punkt, um mit dem Aufstieg in die Regionalliga den größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu feiern. Bereits vor circa einem Jahr zelebrierte man gemeinsam mit etlichen Fans den Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg. Spieler, Trainer, Verantwortliche und alle zugehörigen hoffen am 11. April auf eine volle Bettwiesenhalle, um hoffentlich anschließend bis in die Morgenstunden zu feiern.

TSV Amicitia 06/09 Viernheim – SKV Unterensingen 30:35 (16:17)

TSV Amicitia 06/09 Viernheim: Wilkening (1), Lacic; Welte (4), Kimpel, Pfeil (1), Kadel (6), Walther (3/2), Deege, Beck (4), Böckly (2), Schaal (1), Clarius (7), Schmitt (1).

SKV Unterensingen: Deuschle (n.e.), Heinz (13/1 Paraden); Pracht (11/3), Werbitzky (2), Volz (2), Reinold, S. Kenner (7), Böck, Fuhrmann (2), Mangold (n.e.), Hiller (3), Münch (4), Brändle (4).

Siebenmeter: 2/4 – 3/3 (Walther scheitert an Heinz und wirft gegen die Latte – Pracht verwandelt alle).

Zeitstrafen: 2 – 6 (Deege – Pracht, Werbitzky, Böck).

Spielverlauf: 5:4, 10:9, 12:15, 16:17 – 20:21, 22:26, 25:32, 30:35.

Schiedsrichter: Ingmar Hofmann, Jonas Rogner

Zuschauer: 250

Beste Spieler: Clarius, Beck – Pracht, Werbitzky, S. Kenner.