Auf dem Berg die Ruhe bewahrt

SG Hegensberg-Liebersbronn – SKV Unterensingen 21:24 (12:14)

Die „Spitzmäuse“ gewinnen das schwere Spiel bei Mitaufsteiger SG Hegensberg-Liebersbronn mit 21:24. Die starke Abwehrreihe um den überragenden Thimo Böck zwingt die „Raptors“ in Durchgang zwei zu 14 torlosen Minuten, dahinter glänzt Marvin Heinz mit einem Dutzend Paraden. Auch in Phasen, in denen die Hausherren aufschließen können, lassen sich die Mannen um Kapitän Mike Pracht emotional nicht vereinnahmen. „Wir stellen über die gesamte Spielzeit eine klasse Verteidigung. Im Angriff kommen wir nicht richtig in einen Flow, können aber immer wieder Lorenz Kenner erfolgreich in Zweikämpfe schicken, wenn es eng wird.“, analysiert Spielmacher Silvan Kenner das Geschehen.

Trotz der Tabellensituation sah sich Trainer Michael Schwöbel mit seiner Mannschaft vor Beginn der Partie bei weitem nicht in der Favoritenrolle. Neben dem Ausfall von Sandro Münch beschäftigen den Taktgeber des SKVs seit einiger Zeit kleinere Blessuren seiner Akteure, insbesondere Florian Brändle und Lorenz Kenner gehen seit Wochen auf dem Zahnfleisch. Zudem gilt „Heli“ als heimstark und im Derby gegen die „Spitzmäuse“ steckt immer besondere Brisanz.

Vor vollen Rängen in der Sporthalle Römerstraße eröffnete Kreisläufer Lukas Wester-Ebbinghaus den Torreigen für die Hausherren. Trotz des frühen Rückstands starteten die „Spitzmäuse“ besser in die Partie, stellten den SG-Angriff mit offensiver Abwehr vor gehörige Aufgaben und gingen nach Distanzwürfen von Lorenz Kenner und Lukas Volz mit 1:3 in Führung (4.). Schon in der Anfangsphase drückte SKV-Keeper Heinz dem Spiel seinen Stempel auf, so dass sich SG-Trainer Veit Wager beim Stand von 2:5 bereits nach acht gespielten Minuten zu einer ersten Auszeit gezwungen sah. Zwar sorgte Florian Brändle mit drei Treffern in Reihe immer wieder dafür, dass seine Farben in Front blieben, die „Raptors“ waren nun aber besser in der Partie. Die Defensive hatte sich geordnet und der dynamische Rückraumspieler Noah Herda markierte beim 8:7 die erste „Heli“-Führung nach langer Zeit (14.). Mittlerweile aber sehr souverän wirkend, ließen sich die Gäste nicht von der Hektik auf dem Parket bzw. vom Aufwind der Hausherren anstecken, glichen durch Lorenz Kenner aus und stellten die Führung mit einem Doppelschlag von Maximilian Schlau schließlich wieder her (18.). Der Routinier bestritt sein vorerst letztes Spiel für die „Spitzmäuse“, Nico Hiller ist nach Verletzungspause wieder einsatzbereit. Rechtsaußen Lukas Brunngräber ließ sich von seinen ersten beiden Fehlwürfen nicht verunsichern und traf ebenfalls zweimal in Folge zum 9:12 (22.). Aber auch die „Raptors“ hatten nicht vor sich frühzeitig vom Spielgeschehen zu verabschieden, verkürzten durch Alexander Stammhammer und Noah Herda auf 11:12. Als Maximilian Fuhrmann dann noch vom Strich an Maximilian Blum scheiterte, gelang SG-Linksaußen Yannik Heetel schließlich der Ausgleich und brachte damit die Meute zum toben (27.). Es war wieder mächtig Druck auf dem Kessel am Berg. Nach über sechs torlosen Minuten positionierte Dominik Werbitzky seinen SKV von Linksaußen wieder in Front und Heinz zeichnete sich mit einer weiteren Parade aus, so dass die Gäste gar noch einen drauflegen konnten. Als sich die „Spitzmäuse“ bereits im passiven Spiel befanden, traf Tobias Prauß Brändle im Gesicht, musste sich für zwei Minuten auf die Strafbank setzen. Nur einige Momente später ereilte Heetel das selbe Schicksal, nachdem er Volz‘ Visage bei der Hoffnung auf einen schnellen Ballgewinn ebenfalls touchierte. In doppelter Überzahl passend durch Pracht erfolgreich, gingen die „Spitzmäuse“ mit 12:14 in die Kabine. Der Hallensprecher wies nach dem Pausenpfiff darauf hin, dass der große Favorit nur mit zwei Treffern in Front läge und sich das ganze sicherlich einfacher vorgestellt hätte. Das entsprach nicht der Richtigkeit, Schwöbel war die Schwere der Partie vollkommen bewusst und sah sich keineswegs als Favorit.

Weiterhin personell im Vorteil bauten die Gäste den Vorsprung zunächst immer wieder auf drei Treffer aus. Nachdem die Anzeigetafel fünf Minuten lang 15:18 anzeigte, stellte Linkshänder Lorenz Kenner das erste Mal an diesem Abend auf vier Tore Differenz, worauf Wager erneut zur Besprechung bat (40.). Das Mittel schien Wirkung zu zeigen – die Defensive der „Raptors“ ließ in den kommenden Angriffen nur noch wenige Aktionen der Gäste zu, zwang diese zu Abschlüssen aus schwierigen Positionen und die Hausherren verkürzten durch Stammhammer und Heetel auf 18:19. Schwöbel musste den Flow der Gastgeber mit einer Besprechung unterbinden, was auch gelang (43.). Heetels erneuter Anschlusstreffer zum 19:20 war für lange Zeit der letzte Treffer der Heimmannschaft. Um die Partie weiterhin auf Messers Schneide zu gestalten, dafür fehlten den Hausherren die Torerfolge.  Zwar ließen die „Spitzmäuse“ ebenso beste Gelegenheiten gegen SG-Torhüter Finn Hummel aus und wurden von der kompakten 6:0-Abwehr der Wager-Truppe zu Fehlern gezwungen, 14 torlose Minuten waren dann aber zu viele, um den Tabellenführer an diesem Tag zu bezwingen. In Unterzahl gelang Fuhrmann schließlich die 19:24-Führung in der Sporthalle Römerstraße (59.). Herda und Heetel, beste Hegensberger Torschützen, verkürzten noch final, was allerdings nur noch Ergebniskosmetik war. Eine torarme Partie, die von den beiden Abwehrreihen bestimmt wird, endet mit 21:24 für die „Spitzmäuse“.

Mit dem Sieg positionieren sich die Unterensinger weiterhin unangefochten an der Tabellenspitze. Durch den Erfolg über den hessischen Vertreter TSV Amicitia 06/09 Viernheim und die gleichzeitige Niederlage der SGB BBM Bietigheim 2 gegen die SG Schozach-Bottwartal, arbeitet sich der TSV Wolfschlugen auf Rang zwei vor. Die „Hexabanner“ liegen aktuell 9 Punkte hinter dem SKV. Durch den einsamen Auftritt am Faschingswochenende pausiert Schwöbels Truppe am kommenden Wochenende, kann im besten Fall einige Läsionen ausheilen lassen. Am 7. März geht es dann zur HSG Langenau/Elchingen, wozu der SKV einen Bus einsetzt.

SG Hegensberg-Liebersbronn – SKV Unterensingen 21:24 (12:14)

SG Hegensberg-Liebersbronn: Blum, Hummel; Schatz, Fischer, Heetel (7/1), Habermeier (3), Prauß, Ma. Hettich, Wester-Ebbinghaus (3), Stammhammer (3), Hahnloser, Mo. Hettich, Hughes, Fausten, Herda (5), Schieche

SKV Unterensingen: Deuschle (n.e.), Heinz (12 Paraden); Brunngräber (2), Pracht (2/1), Werbitzky (2/1), Volz (2), L. Kenner (6), Reinold (n.e.), S. Kenner, Böck (1), Fuhrmann (3), Schlau (2), Mangold, Hiller (n.e.), Brändle (4)

Siebenmeter: 1/1 – 2/4 (Fuhrmann scheitert an Blum, Werbitzky trifft den Pfosten)

Zeitstrafen: 12 – 8 (Heetel, Prauß (2), Wester-Ebbinghaus, Stammhammer, Herda – Pracht (2), S. Kenner, Brändle)

Spielverlauf: 2:5, 8:7, 9:12, 12:14 – 15:19, 19:20, 19:24, 21:24

Schiedsrichter: Michael Fahrion, Norbert Frommer

Zuschauer: 350

Beste Spieler: Heetel, Herda – Heinz, Böck.