Gebrauchter Tag im Derby

TSV Wolfschlugen – SKV Unterensingen 27:21 (11:9)

Die „Spitzmäuse“ verlieren im Hexenkessel Wolfschlugen letztendlich auch in der Höhe verdient mit 27:21. In einer Partie, deren Hauptakteure die beiden Torhüter Ricardo Petruzzi und Marvin Heinz sind, findet das Team von Michael Schwöbel zu wenige Lösungen gegen die starke Verteidigung der „Hexabanner“. Überschattet wird die Partie von den Verletzungen von Thimo Böck und Sandro Münch.
Vor gut 700 Zuschauern in der Wolfschlüger Sporthalle wirkten beide Mannschaften zu Beginn leicht nervös. Zuerst vergab Dominik Werbitzky einen Strafwurf gegen Petruzzi, kurz darauf parierte Heinz auf der anderen Seite gegen Patrick Kohl vom Strich. Erst nach acht bzw. zwölf Minuten erzielte Julian Blum die ersten beiden Treffer für seine Farben. Die „Spitzmäuse“ benötigten gar zwölf für ihren ersten Torerfolg durch Lukas Brunngräber. Auch wenn der Bann erstmal gebrochen war, zu einem Schützenfest entwickelte sich das Spielgeschehen nicht. Felix Mendlers Treffer vorgenommen, scheiterte Maximilian Fuhrmann zuerst erneut von der Linie an Petruzzi, war allerdings per Nachwurf zum 3:3 erfolgreich (16.). Ironischerweise vergab postwendend der ansonsten so sichere Strafwurf-Spezialist Kohl erneut gegen den zur Höchstform auflaufenden Heinz. Nach einem Ballgewinn startete Thimo Böck zum erweiterten Gegenstoß und wurde dabei unsanft von Moritz Bittner zu Fall gebracht. Letzterer sah vom Schiedsrichtergespann zwar den roten Karton, Böck kugelte sich dabei allerdings den Finger aus und musste nach minutenlanger Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Fortan konnten die „Spitzmäuse“ das Momentum auf ihre Seite ziehen: Zweimal Werbitzky per Strafwurf, Fuhrmann und Brändle sorgten mit ihren Treffern für die 4:7-Führung (22.). Wie schon im Hinspiel war das Geschehen von Phasen geprägt, die nächste gehörte den Hausherren. Das Team vom Steffen Klett ließ sich nicht abschütteln und ging durch die beiden treffsicheren Außenspieler Marc Wieder und Julian Blum mit 10:8 in Führung (28.). Wieder, der sich nun dem 7-Meter-Misterium angenommen hatte, gelang der letzte Treffer vor der Pause. Fuhrmann war zwar ebenfalls noch erfolgreich, wohl aber erst nach der Sirene. Mit dem äußerst torarmen Ergebnis von 11:9, ging es damit in die Kabine.
Die Hoffnung, dass die „Spitzmäuse“ im Angriff nun etwas mehr Fahrt aufnehmen, kam nach Brändles zügigem Treffer nach 30 Sekunden in Halbzeit zwei kurzzeitig auf, erlitt durch drei „Hexabanner“-Treffer in Folge allerdings schnell einen Dämpfer. Brändle und Sandro Münch rieben sich im Angriff auf, waren ein ums andere Mal mit starken Eins-Eins-Aktionen erfolgreich und verkürzten zwischenzeitlich auf 15:14 (39.). Dass Münch, der mehrmals frei durch war, äußerst hart angegangen wurde und vom Schiedsrichtergespann kein Eingreifen erfolgte, traf bei einigen Unterensinger Anhängern auf Unverständnis. Minuten später landete der Regisseur der „Spitzmäuse“ unglücklicherweise auf dem Fuß eines Gegenspielers und konnte mit dickem Knöchel gehandicapt nicht mehr zum Einsatz kommen. Nach dem zweiten Ausfall eines Schlüsselspielers waren die Gäste erstmal bedient, mussten auf 18:14 nach Treffern von Lukas Mäußnest und Lukas Francik abreisen lassen. Auch zwei Auszeiten von Schwöbel innerhalb von drei Minuten brachten vorerst keine Besserung. SKV-Kapitän Mike Pracht, weiterhin angeschlagen und nur zum Strafwurf ins Spiel gekommen, vergab diesen gegen Marvin Thurow und konnte seinem Team keinen Aufwind verschaffen. Ebenso wenig wie der bärenstarke Heinz, der nacheinander jeweils Wieder und Kohl einen Strafwurf abkaufte, dann aber dreimal in Folge gegen Wieder, Blum und Francik hinter sich ins Netz greifen musste. Kurzzeitig schöpften die „Spitzmäuse“ wieder Hoffnung als Werbitzky, Fuhrmann und Brändle auf 21:18 verkürzten und Heinz den Gastgebern, in diesem Fall Mendler, mit seinem fünften gehaltenen Strafwurf signalisierte, dass vom Strich heute wenig zu holen war. Ein Geistesblitz von Francik, der postwendend den Ball von Silvan Kenner abfing und ins leere SKV-Gehäuse transportiere, ließ die Aufholjagd der Gäste verpuffen und den „Hexabanner“ den Glauben an den eigenen Sieg nicht mehr nehmen. Auch personell waren die Mannen von Schwöbel nicht mehr in der Lage dagegen zu halten. Zweimal Wieder und dreimal Mendler stellten schließlich zum hochverdienten Endstand von 27:21.
„Wir finden heute im Angriff zu wenige Lösungen, legen mit 48 Prozent eine zu geringe Abschlussquote an den Tag und können die Ausfälle von Thimo Böck und Sandro Münch irgendwann nicht mehr kompensieren. Zudem fehlt mit Mike Pracht, der aktuell nur sehr eingeschränkt einsetzbar ist, eine weitere wichtige Alternative in der 3:2:1-Verteidigung. Nach neun Siegen in Folge ist diese Niederlage kein Beinbruch, wir stehen weiterhin als Aufsteiger auf Platz eins.“, nimmt Schwöbel der vorhandenen Enttäuschung etwas die Luft aus den Segeln. Durch die zeitgleichen Niederlagen der SG Hegensberg-Liebersbronn, die gegen die TSG Söflingen ihre erste Heimniederlage hinnehmen musste, des Auswärtserfolges der SG Schozach-Bottwartal beim TV Flein sowie des Punktverlusts der SG BBM Bietigheim 2 gegen den TV Hardheim, bleibt der Abstand des SKVs zu seinen Verfolgern nahezu unverändert. Bereits am kommenden Samstag sinnt die Mannschaft auf Wiedergutmachung im Heimspiel gegen die Wölfe Plankstadt. Sorgen bereitet Schwöbel hingegen aktuell sein Verletzten-Lazarett.
Die Mannschaft bedankt sich bei den zahlreich mitgereisten Unterensinger Anhänger, die auswärts beinahe eine Heimspiel-Atmosphäre aufkommen ließen.
TSV Wolfschlugen – SKV Unterensingen 27:21 (11:9)
TSV Wolfschlugen: Thurow, Petruzzi; Wittmann (1), Schäfer, Kohl, Prawatschke, Schmid (1), Toth, Bittner, Thumm, Mendler (5), Wieder (7/3), Jacobs, Blum (7), Mäußnest (1), Francik (5).
SKV Unterensingen: Deuschle, Heinz (13 Paraden); Brunngräber (2), Pracht, Werbitzky (5/3), Volz, L. Kenner, Reinold, S. Kenner (1), Böck, Fuhrmann (6/3), Schlau (1), Mangold, Münch (2), Brändle (4).
Siebenmeter: 3/8 – 6/10 (Kohl scheitert dreimal an Heinz, Wieder verwirft gegen Heinz, Mendler scheitert an Heinz – Werbitzky scheitert an Petruzzi und wirft gegen die Latte, Fuhrmann verwirft gegen Petruzzi, verwandelt jedoch den Nachwurf, Pracht scheitert an Thurow)
Zeitstrafen: 2 – 8 (Schmid – Werbitzky (2), Brändle (2))
Disqualifikation: Bittner (19., grobes Foulspiel)
Spielverlauf: 2:0, 4:7, 8:8, 11:9 – 14:10, 18:14, 21:16, 27:21.
Schiedsrichter: Lutz Pittner, Maximilian Winter
Zuschauer: 700
Beste Spieler: Petruzzi, Blum, Francik – Heinz.