Regionalliga-Aufstieg – Kein Halten mehr in der Bettwiesenhalle

SKV Unterensingen – SG Schozach-Bottwartal 33:24 (18:13)

Michael Schwöbel feiert mit dem SKV Unterensingen die zweite dominante Meisterschaft in Folge, die „Spitzmäuse“ steigen folgerichtig in die vierthöchste deutsche Spielklasse auf. Mit 33:24 siegen die Hausherren während ihres finalen Tanzes gegen die SG Schozach-Bottwartal. „Die Mannschaft hat die ganze Saison gezeigt, dass sie ein Team ist. Wir können nach der 45. Minute jedes mal noch einen Gang hochschalten, das war auch heute wieder der Fall.“, sagte Schwöbel nach der Begegnung. Nach dem Abpfiff kennt der Jubel keine Grenzen mehr, es wird bis tief in die Nacht gefeiert.
Euphorischer Start vor vollem Haus
„Es hätte tatsächlich keiner erwartet, dass es heute so voll wird“, SKV-Kapitän Mike Pracht.
Die mit 700 Zuschauern rappelvolle Bettwiesenhalle erinnerte an so manches Lokalderby aus der Vergangenheit. Die „Spitzmaus“-Anhänger, insbesondere die Jungs von der „Blauen Wand“, die die Mannschaft während der gesamten Saison mit ihren Trommeln und Tröten unterstützen, machten bereits vor Anpfiff mächtig lärm. Dass sie sich nicht auf das Ergebnis aus Großsachsen verlassen wollten, zeigten die Spieler von Schwöbel von Beginn an. Nachdem Sandro Münch den Torreigen nach 43 Sekunden eröffnete, starteten die Hausherren furios, setzten die Gäste mit ihrer offensiven Abwehr früh unter Druck. Mike Pracht, Florian Brändle und Thimo Böck warfen die rasche 4:2-Führung heraus, als Marvin Heinz Top-Scorer Maximilian Schulze noch einen Strafwurf abnehmen konnte und Dominik Werbitzky anschließend auf 5:2 stellte (6.). Das Auswärtsteam von Trainer Timo Stauch wollte den „Spitzmäusen“ aber keinesfalls kampflos die Meisterschaft überlassen. Die Gäste zeigten, dass sie zurecht in der Spitzengruppe der Liga angesiedelt sind, erzielten über ihren starken Kreisläufer Rico Reichert drei Treffer in Folge zum 6:6-Ausgleich (10.). Auch in der Folge ließ sich die Truppe aus dem Landkreis Heilbronn nicht abschütteln und war beim 12:10 durch Linkshänder Maxim Gries weiterhin voll im Rennen (17.). Den „Spitzmäusen“ kam nun erneut ihre Breite zu Gute. Schwöbel wechselte munter, konnte dadurch das Tempo aufrecht erhalten. Drei Treffer in Folge durch Kreisläufer Nico Hiller, Werbitzky und den inzwischen eingewechselten Silvan Kenner bescherten die 15:10-Führung (22.). Zwischenzeitlich hatte Heinz für einen erneuten verworfenen Strafwurf durch Eric Stahl gesorgt. Die beiden Anschlusstreffer durch Reichert und Gries ließen die Gäste zwar kurz hoffen, Münch, Brunngräber und schließlich Pracht vom Strich sorgten für das souveräne 18:12 aus der Sicht der Gastgeber. Manuel Koch stellte mit seinem Treffer schließlich den Pausenstand her.
Schier endlose 30 Minuten
Dass Konkurrent TSV Wolfschlugen zeitlich zur Pause bereits mit 9:16 in Rückstand lag und der SKV somit aktuell unabhängig vom eigenen Ergebnis aufgestiegen war, wusste von Schwöbels Mannschaft zu diesem Zeitpunkt niemand. Die „Spitzmäuse“ wollten es sowieso aus eigener Kraft schaffen. Zwar kamen die Gäste zu Beginn der zweiten Hälfte nicht näher als auf vier Treffer heran, Schwöbel störte dennoch die Entscheidungsfindung seiner Truppe, unterbrach das Spiel früh mit einer Auszeit (38.). Im Rahmen einer Wechselbeziehung mit dem Publikum, in der man sich gegenseitig zur Höchstleistung antrieb, spielten sich die Hausherren nun einen komfortablen Vorsprung von 26:18 heraus (45.). Insbesondere der überragende Rechtsaußen Pracht sorgte in dieser Phase mit drei Treffern aus verschiedensten Lagen für eine kleine Vorentscheidung. Spätestens als der Kapitän zwei erneute Treffer zur erstmaligen Zehntore-Führung beim 29:19 beisteuerte, erreichte der imaginäre Dezibel-Messer in der Bettwiesenhalle sein Maximum (47.). Begleitet von Laola-Wellen, Trompeten, Trommeln und Gesängen liefen die letzten zehn Minuten der Spielzeit herunter. Für so manchen SKV-Verantwortlichen ein Zustand wie in Trance. Als Silvan Kenner zum letzten Treffer für die „Spitzmäuse“ ansetzte und Stahl folgend das Endergebnis von 33:24 herstellte, wusste jeder um das historisch Erreichte. Die Uhr tickte zu Ende bis der Jubel letztendlich keine Grenzen mehr kannte. Die Gastgeber sprangen freudentaumelnd aufeinander, angestachelt vom tollen Publikum.
Lohn der harten Arbeit
Mit nahezu unverändertem Kader bestritten die „Spitzmäuse“ die Saison 2025-2026. Lediglich ein kürzer getretener Maximilian Schlau sowie die beiden Neuzugänge Nico Hiller und Luca Mangold unterscheiden die diesjährige von der makellosen Meistermannschaft der vergangenen Verbandsligarunde. Eine Mannschaft, in der Zusammenhalt ganz groß geschrieben wird, setzt sich gegen alle Widrigkeiten durch und feiert den größten Erfolg der Unterensinger Vereinsgeschichte. Seit seinem Antritt im Jahr 2022 hat Schwöbel ein intaktes Kollektiv geformt, das so rund agiert, dass es auch von einzelnen Ausfällen nicht auszuschalten ist. Dass sich der Erfolg auf Grund des großen Vorsprungs seit Wochen andeutete, darf das Erreichte in keinster Weise schmälern und muss genügend gefeiert werden. Die „Spitzmäuse“ stechen aus einer starken Liga vor allem mit ihrer Konstanz heraus. „Zwei Aufstiege in Folge sind natürlich phänomenal, wenn auch nicht ganz real. Was hier in den letzten Jahren geschehen ist, ist einzigartig. Ich hoffe wir feiern das Erreichte heute ausgiebig.“, erklärt Lukas Keppeler, sportlicher Leiter des SKV. „Mit ein paar Wochen Abstand bereiten wir uns dann auf die Regionalliga vor. Auf uns als Verein kommt einiges an Arbeit zu, müssen im Hintergrund viele Aufgaben bewältigen, um das Erreichte dauerhaft aufrecht zu erhalten. Mit den Drittliga-Neuzugängen Philipp Keppeler und Luis Sommer sowie den hochtalentierten JANO-Spielern Kim Nusser und Julian Hofer erweitern wir unser starkes Kollektiv ideal, um in der 4. Liga antreten zu können.“
SKV Unterensingen – SG Schozach-Bottwartal 33:24 (18:13)
SKV Unterensingen: Deuschle, Heinz (13/1 Paraden); Brunngräber (1), Pracht (10/2), Werbitzky (3), Volz (1), Reinold (3), S. Kenner (2), Böck (3), Fuhrmann, Mangold (1), Hiller (1), Münch (2), Brändle (6).
SG Schozach-Bottwartal: Oßmann, Ernst; Koch (4/2), Linder (2), Hornung (2), Kienzle (n.e.), Gries (4), Reichert (5), Carpouzis (1), Stahl (1), Lehmann (3), Schneider, Keller, Kornmann (2), Schulze.
Siebenmeter: 2/2 – 2/4 (Pracht trifft alle – Schulze scheitert an Heinz, Stahl wirft daneben).
Zeitstrafen: 2 – 4 (Pracht – Keller, Schulze).
Spielverlauf: 5:2, 11:9, 15:1018:13 – 21:1623:18, 30:20, 33:24.
Schiedsrichter: Saleh Khosrawikatoli, Benjamin Schwaderer
Zuschauer: 700
Beste Spieler: Heinz, Pracht, Brändle – Koch, Gries.
Foto: Ralf Just